Was geht? - Zurück aus der Babypause

by Anna Momber on 25. Januar 2010

Ich bin fest davon überzeugt, Murphys Law hat eine sehr enge Bindung zu allen Künstlern und Selbstständigen. Erst kommt ewig gar nüscht und dann rennen sie einem die Bude ein.

So wie in der ersten Januarwoche:

Mein Handy klingelt. Ich schau, ob ich die Nummer kenne und ja, mein Handy kennt den Namen des Anrufers: ein Caster… Unser letztes Gespräch ist knappe 2 Jahren her und ich musste die Rolle ablehnen, da ich im 5 Monat schwanger war.

Was will der? Ich bin doch noch gar nicht offiziell zurück. Leichte Panik. Will lieber nicht dran gehen. Irgendwie bin ich trotzdem an die Anruf-annehmen-Taste gekommen.

Er freut sich mich zu erwischen und lädt mich zu einem Werbecasting ein. Natürlich braucht mein großer Sohn genau in dieser Sekunde frische Sportsachen und die Kleine hätte schon vor 30 Minuten von der Krabbelgruppe abgeholt werden müssen. Ich bin also auf dem Sprung und höre ihm nicht richtig zu. Um so überraschter bin ich, als ich mich das Casting bestätigen höre.

Mist, ich bin aus der Übung im „alles-gleichzeitig-wuppen“!

Blöde gelaufen. Denn das Casting ist schon an diesem Nachmittag und leider ist gerade heute mein Mann nicht in der Stadt. Also muss ich nun innerhalb einer Stunde die Kleine abholen, den Großen zum Gitarrenunterricht bringen, einen guten Eindruck beim Casting machen und gegen 16:00 meine Freundin aus Berlin am Bahnhof abholen. – Und all das mit einer Einjährigen, die sehr bald Hunger bekommen wird.

Das  klingt unmöglich? Stimmt! Ist mir aber erstmal gar nicht auf gefallen…

Behände düse ich mit dem Kinderwagen nach Hause, als mir plötzlich siedendheiß einfällt, dass zu allem Überfluss der Dreh auch noch am selben Tagen wäre, von dem ich eine bereits lang anberaumte Autorenbesprechung für ein Theaterstück habe - und zwar in Berlin. Der Dreh wäre aber in München. Man, ich wohne doch jetzt in Hamburg!

Meine Kleine quiekt begeistert über die Vollbremsung, die ich mit dem Kinderwagen hinlege.Ich hasse Murphy! Da sieht man’s mal wieder. Es geht eben nicht! Ich kann nun mal nicht Familie und mehrere selbstständige Berufe - die ich alle drei liebe - gleichzeitig haben.

Ich versuche meinen Kopf frei zu bekommen. Finde denken unter Zeit- und Entscheidungsdruck echt schwer. Weiß, nur mein Denken begrenzt meine Möglichkeiten. Wenn ich jetzt denken könnte, könnte ich auch Lösungen finden. Bin mir sicher, dass ich eigentlich denken kann.

Was würde ich mir als Coach raten? Ball flach halten, würde ich sagen. Und: Auch wenn du an deinen offensichtlichen Begrenzungen zu scheitern drohst, frag dich „was geht noch?“. Meist geht da noch was!

Und? Was geht noch?

Am Ende läuft es so: Mein Sohn muss als Babysitter mit zum Casting. Dort bezirpt meine Tochter die Casting Assistentin, während ich die Casterin beeindrucke. Anschließend fährt ein mir bekannter Kollege meinen Sohn in seinem Auto zum Gitarrenunterricht und meine Freundin kommt überraschend einen Zug später, weil sie den Zug verpasst hat.

Dass ich letztlich die Werbung nicht bekommen habe und die Autorenbesprechung um Tage verschoben wurde, war dann irgendwie auch logisch, aber mir egal. Ich hatte mir bewiesen, dass ich zurück bin. Zurück aus der Babypause. Ich bin wieder da. Murphys Law ist eben auch mit 2 Kindern noch lange kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.

Denn da geht wirklich immer noch was!

In dem Sinne wünsche ich euch allen ein wunderbar erfolgreiches 2010!

Anna Momber-Heers

Anna Momber-Heers

{ 3 comments… read them below or add one }

Philipp 25. Januar 2010 um 12:42

Liebe Anna,
auch Dir ein erfolgfreiches Jahr 2010.
Ich bewundere immer wieder junge Künstler mit Familien, wie sie das hinbekommen. Hut ab!!
Alles Gute!

Philipp
http://www.philippwimmer.com

Anne 25. Januar 2010 um 12:45

Danke für den nett geschriebenen Bericht- hat mir auf jeden Fall den Tag versüßt!
Und herzlichen Glückwunsch zum gelungen-chaotischen Wiedereinstieg.
Murphy sei mit dir ;-)

Simone Wagner 26. Januar 2010 um 0:03

Hallo,

mein Gott, war der Bericht köstlich:-) Habe zwar keine Kinder, aber irgendwie kam mir die Szene doch bekannt vor:-)
Trotzdem Hut ab! Mit Mann und Maus kann man doch so einiges schaffen. Das macht mir Mut für meine “noch” ungeborenen Würmchen:-)

Alles Gute und Liebe Grüße

Simone

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