Quentin hat gesagt: Da lauert noch ein Anderer in mir!

by Anna Momber on 14. Februar 2010

Inglourious Basterds Germany Premiere - Red Carpet Arrivals

oder der rote Faden in meinen Rollen

Mit einem Fürsprecher wie Quentin Tarantino, darf man als Schauspieler auch Rollen spielen, die erst auf den zweiten Blick super zu einem passen. - Alltäglich ist das nicht, das muss auch Daniel Brühl zugeben.

„Das hat viel damit zu tun, wie man aussieht, wie man ist und was einem liegt. Bei mir war relativ schnell klar, dass ich Sympathieträger bin und nicht als Neben-, sondern als Hauptrolle gesehen wurde – was übrigens nichts mit Begabung zu tun hat. Mir wurde gesagt, ich sei super einsetzbar als Identifikationsfigur für das Publikum: Dafür ist es wichtig gut auszusehen, aber nicht zu gut. Groß zu sein, aber nicht zu groß – und so weiter.“

Nicht zu gut aussehen hilft also? Mensch! Dann kenne ich ja jede Menge potentielle Hauptrollen-Bekommer!  Schluss mit Lustig! Er hat doch absolut Recht, der sympathische Dani. Ein Fast-supergutes-Aussehen macht Schauspieler erfolgreich. Das war die gute Nachricht, die ich im frühen Sonntagmorgenzug nach Berlin zu lesen bekam. Die schlechte war dann, dass in dem Bahnmagazinartikel deutlich wurde, wie verdammt hilfreich es ist (neben dem Fast-superguten-Aussehen) sollte der Vater Fernseh- und der Onkel Rundfunkregisseur sein…

Aber mal all meine latenten Zickigkeiten über bessere Startchancen beiseite gepackt. Seine Onkels kann man sich nicht aussuchen, da muss man zufrieden sein, mit dem was man hat. Und auch am eigenen Aussehen kann man ohne Erbonkel und Risikobereitschaft für aufwendige OPs nicht viel ändern. Einiges an uns ist unveränderlich und ich finde, das ist auch verdammt gut so.

Nur wie kommt man dann trotzdem an spannende Rollen? Und noch wichtiger, wie schafft man es seinen Lebensunterhalt mit seinem erlernten Beruf zu gestalten?

MBFW Berlin - Rudolf Dassler by Puma - Backstage

Auch wenn Daniel Brühl ein Bübchen-Image hat, von den Mechanismen in unserer Branche versteht er was. Er macht den roten Faden in seinen Rollen mitverantwortlich für seinen Erfolg. Ich finde das eine sehr treffende Beschreibung dessen, was ich Mythos nenne. Der rote Faden, der in jeder Rolle zu finden ist, das wiederkehrende Thema hinter den unterschiedlichen Geschichten.

Wenn man also keinen Onkel beim Funk hat und der eigene Vater auch nur Lehrer oder Bankkaufmann ist, dann kann man mit dem treffenden Auftritt, der effektiven Werbung einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und dabei hilft es norm, wenn man seinen roten Faden - seinen Mythos! - kennt und deshalb mit seinem Material genau das verspricht, was man auch einlösen kann. Eine selbst gedrehte Tatort Szene mit einer Kommissarin, die wesentlich besser in einen Dieter Hallervorden Sketch gepasst hätte, ist zum Beispiel eher kontraproduktiv. Da kann die Dame noch so sehr Tatort-Fan sein, eine Helga Feddersen als Kommissarin wird es nicht geben.

Denn solange nicht ausgerechnet Quentin Tarantino den „Anderen in Einem“ raus holt, solange sollte man den Einen, der man auf den ersten Blick ist, sichtbar machen. „You get, what you see“ ist eine menschliche Erwartung und Caster sind auch nur Menschen. Wirklich!

Das weiß auch Daniel Brühl und bastelt nun daran sein Image vorsichtig in Richtung „fiese Möp“ zu variieren. Ich hoffe, es gelingt ihm. Dann wird wieder eine Position netter Kerl bei den Castern frei und ich kenne wie gesagt ein oder zwei potentielle Hauptrollen-Bekommer, die hart dafür arbeitet als solche wahrgenommen zu werden.

In dem Sinne, Grüße von

Anna Momber-Heers

Anna Momber-Heers

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Michael Walde-Berger 16. Februar 2010 um 17:07

Sehr geehrte Frau Momber-Heer!
Natürlich vertsehe ich sehr gut, dass der Castingprozess nicht einfach ist und bei einer so großen Auswahl an Schauspielern Folgendes nicht einfach ist: Nämlich Fantasie und Einfühlungsvermögen zur Auswahl von Typen und auch scheinbar Antityp-besetzten Rollen einzusetzen.
Meiner Meinung macht diese Eigenschaft sehr die Qualität eines Casters aus. Davon abgesehen will man ja große Schauspieler entdecken, die sich auch sehr stark durch Ihre Vielseitigkeit auszeichnen.
Viele gute Schauspieler, die ich kenne, scheitern daran, dass Sie nicht einmal die Chance bekommen, zu zeigen, was Sie drauf haben.
In diesem Sinne kann Ihre Meinung nicht teilen.
Mit lieben Grüßen, Michael Walde-Berger

Anna Momber-Heers 22. Februar 2010 um 22:48

Guten Abend Herr Walde-Berger,

ich glaube, ich habe ihr Anliegen an mich leider nicht ganz verstanden. Sind wir tatsächlich verschiedener Meinung?

Mein Beruf und mein Anliegen ist es Schauspielern zu helfen so sichtbar wie möglich zu werden, damit die Chancen nicht mehr über sie hinweg sehen können!

Auch ich kenne viele gute Schauspieler, die einfach nicht zum Zuge kommen. Allerdings frage ich mich nicht, ob die Caster schuld sein könnten. Weder kann ich an deren Arbeitsbedingungen, noch an ihrem beruflichen Ethos etwas ändern. Es gibt ja auch nicht den einen Typen Caster!

Wem ich was anbieten kann, dass sind die Schauspielern, die vorhaben ihre Sichtbarkeit für Caster zu erhöhen.
Und einen methodischen Ansatz um Schauspieler sichtbarer zu machen (den Mythos oder eben den roten Faden, wie D.Brühl es nennt), habe ich auch in jenem zitierten Interview wieder gefunden. Teils wesentlich einfacher ausgedrückt, als ich das methodisch machen würde… Und ich habe hier davon erzählt, um weiter Ideen in die Welt zu setzen, die es leichter machen gesehen zu werden - auch von Castern!

Haben wir in diesem Rahmen tatsächlich gegensätzliche Meinungen?
Welche meiner Meinungen meinten Sie?

Mit lieben und neugierigen Grüßen
Anna Momber-Heers

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