Schauspieler sind meiner Meinung nach Geschichtenerzähler. Im Idealfalle die, von denen man die Geschichte am liebsten erzählt bekommt. Manchmal werden die Geschichtenerzähler selbst zu Geschichtenerfindern oder Autoren. Einer, der sowohl erzählt, wie schreibt, ist Thomas Morris, der sein neues Buch "Ganz weit draußen" gerade veröffentlicht hat, was ich Euch sehr empfehlen möchte! Hier ein spontan entstandenes Interview mit Thomas - viel Spass beim Lesen!
Christian: Thomas, du bist Schauspieler und Sprecher - was hat Dich dazu bewogen, ein Buch zu schreiben?
Thomas Morris:
Ich habe (auch) schon immer geschrieben: Lyrik, Liedtexte, Kurzgeschichten, Artikel und Drehbücher. Eine Auswahl meiner Kurzgeschichten als Buch heraus zu bringen, war mir ein Anliegen, weil ich das Geschriebene gerne mit anderen teilen möchte. Ich schreibe zwar generell für mich, aber warum sollten es andere Menschen nicht auch lesen? Zumal einige Geschichten vom oft skurrilen und sonderbaren Leben eines Filmschauspielers handeln und für viele Leute sicher sehr interessant sind. Ich hatte gelegentlich einige meiner Geschichten Freunden zum lesen gegeben und viele davon kamen sehr gut an, also lag eine Veröffentlichung nahe. Das Problem war nur, einen geeigneten Verlag zu finden. Nach kurzer Suche brachte mich die Fügung mit der Verlegerin Christine Praml zusammen, deren Magic Buchverlag mein Buch nun heraus gebracht hat.
Christian: Wovon handelt Dein Buch?
Thomas Morris:
Von mir, von Menschen die mir nahe sind (meist Frauen), von besonderen Erlebnissen beim Drehen (und davon hatte ich reichlich), von meinen Reisen, von Leben und Tod, von Indianern und weißen Büffeln, von kleinen und großen Dieben, und von Gott. Die Geschichten spielen an den Orten an denen ich mich in den letzten 10 Jahren am meisten aufhielt: Berlin, Los Angeles, San Francisco, Prag und Wien. Eine ist ein Loblied auf Nepal, wo ich vor zwei Jahren mit meinem Bruder in den Himalaja stieg und auf 4200 Metern scheiterte, weil ich höhenkrank wurde. Aber eigentlich preist diese kurze Geschichte mehr die wunderbaren Nepalesen und ihr einmalig schönes Land. In Prag habe ich ein Jahr lang einen Kostümfilm gedreht, der im letzten Jahr weltweit eher erfolglos in den Kinos lief. Aber er hat mir eine aufregende Zeit beschert und mich zu einigen sehr witzigen Geschichten inspiriert. In San Francisco habe im September/Oktober 2001, also zur Zeit der Terroranschläge gedreht. Auch diese Tage habe ich schriftlich festgehalten. Diese Geschichte ist naturgemäß weniger witzig. Auch eine Begebenheit um einen Dreh an einem großen Film in Polen im Jahr 1993 habe ich später aufgeschrieben. Eine Geschichte beschreibt die Arbeit mit Tieren am Set. Laufen ist immer wieder ein Thema, da ich begeisterter Langstreckenläufer bin. So heißt etwa eine Geschichte: „Laufen in San Francisco,“ zwei andere handeln vom Laufen in Berlin. Die meisten beschreiben Erlebtes, andere Erdachtes oder Geträumtes. Einige sind sehr humorvoll und unterhaltsam, andere nachdenklich. Oder wie der Verlag schreibt: „Diese Geschichten sind so abwechslungsreich wie das Leben selbst: heiter, besinnlich oder traurig – aber immer voller Emotionen.“
Ist das Dein erstes Projekt als Autor?
Thomas Morris:
Nein. Ich habe im Jahr 2000 ein Buch mit Lyrik und Kurzgeschichten heraus gebracht, habe früher Liedtexte für Klaus Waldeck und verschiedene Filmmusik geschrieben, habe Artikel in dem spirituellen Magazin SEIN veröffentlicht und bereits mehrere Filmdrehbücher geschrieben.
Christian: Du schreibst auch ein Weblog - was für Geschichten veröffentlichst Du dort?
Thomas Morris:
Meist sind es Gedanken zu Dingen die mich gerade bewegen. Manchmal gebe ich Filmtipps, berichte von aktuellen Kinofilmen die mir besonders gefallen haben. Oft reagiere ich auch auf Beiträge anderer blogs. Das schöne am blog ist, dass man sofort reagieren, seine Ideen sofort veröffentlichen und einer großen Leserschaft zugänglich machen kann, ohne den langen und arbeitsintensiven Prozess einer Bucherstellung gehen zu müssen. Aber ein Buch wird für mich dennoch immer sinnlicher bleiben als eine Veröffentlichung im Netz. Im Internet kann man rasch etwas lesen oder recherchieren. Das ist praktisch. Aber ein Buch hat Magie. Deswegen finde ich es auch toll, ausgerechnet im Magic Buchverlag zu veröffentlichen.
Christian: Wird es auch ein Hörbuch davon geben - von Dir gesprochen?
Thomas Morris:
Das wäre toll. Ich habe schon Hörbücher gesprochen, aber leider noch nie mein eigenes. Der Magic Buchverlag hat so etwas bislang noch nicht gemacht, aber wer weiß. Einmal ist immer das erste Mal. Ich schätze, es hängt vom Erfolg des Buches ab. Wenn es eine ausreichend große Leserschaft gibt, dann gibt es vermutlich auch eine passende Zuhörerschaft. Wenn es ein Hörbuch geben sollte, dann natürlich nur von mir gesprochen. Ich finde Hörbücher eine tolle Errungenschaft. Ein Audiobuch zu hören, ist für mich die beste Art lange Zugfahrten oder Flüge kurzweilig zu gestalten.
Christian: Wo kann man Dein Buch kaufen?
Thomas Morris:
Im richtigen (also im dreidimensionalen), oder aber auch im Internet-Buchhandel. Ich würde jeden bitten, es im echten Buchhandel, also bei Menschen die man tatsächlich sehen kann zu kaufen. Denn Buchhandlungen sind wunderbare, verwunschene Welten. Wer aber unbedingt im Internet bestellen möchte, sollte das am besten direkt über mein blog www.thomas-morris.de/blog tun. Da kann man nicht nur einige Leseproben und Artikel einsehen, sondern kann das Buch auch um € 1.- billiger als bei den Onlinebuchhändlern erwerben.
Christian: Gibt es in der nächsten Zeit Filmprojekte mit Dir, in die wir reinschauen können?
Thomas Morris:
Es soll in diesem Jahr die Sat1-Serie „Allein unter Bauern“ (in der ich eine durchgehende Rolle spiele) anlaufen, aber da gibt es noch keinen genauen Termin. Anfang Februar läuft eine Folge aus der Erfolgsserie „Unser Charly“ mit mir als böser Bube. Ich habe im Dezember einen sehr schönen Kurzfilm mit Hernando Tascón gedreht, der vermutlich bald auf verschiedenen Festivals zu sehen sein wird.
Christian: Dank für Deine Zeit!
