Heute möchte ich Euch Greta Amend vorstellen. Wir kennen uns schon seit
Jahren vom Telefon. Ich denke sie war eine der ersten Casting Director
(damals war ich noch Assistentin in einer Agentur) mit denen ich zu tun hatte.
So etwas behält man ja immer.Kürzlich griff ich dann zum Hörer und wir
verabredeten uns zu einem Treffen, zu dem ich gleich alle Schauspieler
meiner Agentur mitnahm.
Greta spürt man sofort die große Leidenschaft und Enthusiasmus zum Beruf an.
Das Treffen war sehr inspirierend und angenehm.
1. Du bist ja auch schon lange in der Branche tätig. Was sind Deine beruflichen Stationen
und was sind Deine aktuellen Projekte?
Nach meiner Ausbildung als Schauspielerin an der Hochschule für Musik und Theater in
Hannover von 1983 -1987 habe ich in klassischen Inszenierungen, aber häufig auch
gerne in freien, ungewöhnlichen Film- und Theaterproduktionen gearbeitet:
Tanztheater, Musikproduktionen, japanisches Theater, Performances etc.
Meinen ersten Film habe ich in der Schauspielschule als Diplomarbeit produziert.
Es inspiriert mich, die Definition des darstellenden Kunstbegriffes immer wieder zu hinterfragen,
aufzulösen und neue Möglichkeiten und Spielformen zu erobern - auch in der
Begegnung mit SchauspielerInnen.
Das hat sicher auch mit meiner Anbindung an Moskau zu tun, denn dort ist der
Schauspieler erst dann eine künstlerische Persönlichkeit, wenn er nicht aufhört, Fragen zu stellen.
Denn Schauspielerei ist Obsession, ist Lebensweg.
Anatolij Vasil`jev, Gründer der Schule der dramatischen Kunst aus Moskau,
ist ein unglaublicher Maestro der Theaterphilosophie, dort habe ich viel über
das Leben auf der Bühne und das tägliche Künstlerbrot gelernt.
Es ist eigenartig, aber es ist wahrscheinlich ein Gesetz der Trägheit, dass wir oft
nur vorankommen, wenn es nicht anders geht. Grenzen zu überschreiten,
Ungewöhnliches zu probieren, das reizt mich.
Ich habe 1996-1998 die Meisterklasse Schauspiel und Regie der GITIS Akademie in
Moskau besucht, und wollte danach in die Regie gehen.
Ich habe Cechov, Platon, Dostojewski und Shakespeare hoch und runter gespielt,
und dann kam Casting durch Zufall in mein Leben.
Ich wurde für diese Tätigkeit zuerst bei der Grundy Ufa vorgeschlagen.
Von den großen Denkern des Theaters zur Soap, das war ein schicker Spagat.
Aber eine sehr interessante und turbulente Zeit. Temporeiches Business vom Feinsten.
Wenn man begreift, dass es ein Business ist, entspannt das ungemein. Ich habe
täglich Castings durchgeführt, und bin vielen SchauspielerInnen begegnet.
Manchen leider aus Zeitgründen nur im Archiv.
Das gilt es zu ändern.
Heute arbeite ich als freier Casting Director vorwiegend für Kinoproduktionen.
Auch da bleibt meine starke künstlerische Anbindung an Russland.
Meiner Liebe zu ungewöhnlichen Regisseuren bleibe ich auch im Casting treu.
Ich arbeite auch seit mehreren Jahren als Lehrende in meinem Seminar
„Energizing the actor". Viele Schauspieler sind auf der Langlauf-Strecke müde
geworden, und haben ihre Energie und Leichtigkeit verloren. In meinem regelmäßig
angebotenen Schauspieltraining versuche ich die kreative Kraft des Schauspielers
zu reanimieren, das hört sich jetzt ein bisschen nach Intensivstation an.
Der Umgang mit dem Job ist ein energetisches Problem. Wenn ich vorspreche,
spiele, wollen die Zuschauer spüren, dass ich gerne da bin, dass das mein Platz ist.
Ein Schauspieler braucht das Gefühl, dass er hingehen und sich zeigen kann,
dass er seine Energie aussenden kann. Wie eine Katze, die um die Häuser zieht,
und Ausschau hält, what`s going on in town.
Mich interessiert Talent, Humor und Leidenschaft für den Beruf.
Mein aktuelles Projekt ist die künstlerische Leitung eines Happenings für
die „Lange Nacht der Museen" am 30. August, das ich mit SchauspielerInnen
aus Berlin entwickeln werde.
Dafür werde ich in Kooperation mit dem Museum für Kommunikation eine
offizielle Audition am 15. Juli ausschreiben. Jeder Schauspieler kann vorsprechen,
sich vorstellen, für die Performance, aber auch für meine zukünftigen Projekte,
die ich als Casting Director betreue!
Ich werde allen Agenturen und Schauspielerportalen diese Einladung schicken.
Uhrzeit, Vorbereitungsmaterial etc. werde ich auf meiner Homepage und
bei Marketing für Schauspieler ausschreiben. Die Audition wird mit der Kamera
aufgezeichnet, und das Material in meine Castingtätigkeit mit einbezogen.
Ich brauche diese Form der Audition, um weiterhin ungewöhnliche
Besetzungsvorschläge zu machen, was mein Ziel ist.
Talent muss kommuniziert und sichtbar gemacht werden. Und es gibt sehr
viel Talent in dieser Stadt, das habe ich u.a. bei meinem Casting der
russischen SchauspielerInnen für Ilya Khrzhanovsky beim Kinoprojekt „DAU" erlebt.
Das Museum bietet mir die Plattform, Talente zu entdecken, und stellt mir seine
außerordentlich schönen Räume und Equipment zur Verfügung, um mein
Konzept umsetzen zu können.
Die darstellende Kunst nimmt Einzug in die bildende Kunst, dies ist auch
als soziales, künstlerisches Event gedacht.
Und wenn ich als Casting Director in meiner Talentsuche unterstützt werde,
kann ich wiederum besser unterstützen und Unsichtbares sichtbar machen.
Ziel ist es, Auditions in regelmäßigen Abständen für die unterschiedlichsten
Projekte aus Film, Fernsehen und Theater durchzuführen. Dazu werde ich in
Zukunft entsprechende Personen aus Regie, Produktion, Agentur und Casting
ansprechen und einladen.
Auch eine Kooperation mit Hochschulabsolventen/Diplomprojekten in dieser
Form ist angestrebt. Ich bekomme täglich viele Anfragen für Vorstellungsgespräche,
die mich zu dieser Idee gebracht haben.
2. Was fasziniert Dich am meisten an Deinem Beruf oder an Schauspielern?
Casting ist Instinkt und Kreativität. Und das hält einen menschlich wach und durchlässig.
Wenn man eine gute Story hat, ist es künstlerischer Genuss, ein Ensemble dafür zu
komponieren. Mein Archiv ist mein Kopf, wo Gesichter, Gesten und Stimmen
abgespeichert sind. Jede Person hat ihren eigenen Sound, manche sind mehr Blues,
Rock, Fado, Schlager, Pop, Free Jazz etc. Bach kommt auch manchmal vorbei
Als Schauspieler muss ich im Jetzt sein, sehr gut loslassen können und
immer wieder neu erobern. Der Beruf des Schauspielers stellt hohe menschliche
Anforderungen, es gibt kein Ausruhen, man muss wild sein, ins Risiko gehen,
Neues wollen um weiterzukommen, das mag ich.
3. Was ist Deiner Meinung nach das A und O des Berufes?
Das A und O ist, dass es kein A und O gibt, der Beruf ist, wie er ist,
un(an)ständig, anziehend, unlogisch, ungezähmt, nicht gerecht, faszinierend,
manchmal auch zickig. Michael Shurtleff hat es so treffend gesagt:
"Als Schauspieler muss man nicht alle Tassen im Schrank haben, wenn man
sich für diesen Beruf entscheidet "
Nicht alles so ernst nehmen, es ist nur das Leben.
Astrov
Wir entdecken, dass das, was wir leben, unser Leben ist.
Wanja
…wirklich?…
Astrov
Doch, doch …..
(Onkel Wanja)
4. Gibt es etwas, das Du Schauspielern mitgeben möchtest auf dem Weg oder das Dir besonders auffällt?
Den eigenen Humor vor dem Casting nicht an der Türe abgeben, sondern mitnehmen.
Humor ist eine Art auf das Leben zu schauen. Den Humor und die Helligkeit in jeder Szene suchen.
Wenn ich schon zu Beginn der „Möwe" eine abgestürzte, trunkene Mascha sehe,
wie soll ich die Rolle als Zuschauer in ihrer Entwicklung verfolgen wollen?
Nicht die Intelligenz von Figuren ignorieren. „Ich spiele Menschen, nicht Rollen",
sagt mein Lieblingsschauspieler Anthony Hopkins. Menschen mit Sehnsucht.
Menschen aus Fleisch und Blut.
Wenn ich meine Träume verliere, bin ich künstlerisch tot.
Offen bleiben, sich selbst ernst nehmen und fragen: Wo will ich wirklich hin?
5. Bekommen Schauspieler bei Dir Termine und darf man Dir Dein Material senden?
Material bitte nur auf Anfrage, nur dann kann es adäquat angeschaut werden.
In Zukunft möchte ich die Audition als tolle Möglichkeit zum gegenseitigen
Kennenlernen nutzen. Ich treffe den Schauspieler gerne in/bei seiner Arbeit,
das mag ich am Liebsten, siehe die Audition am 15 Juli.
Immer gerne können mir die Schauspieler eine E-Mail über zukünftige
Theater- und Filmpremieren schicken.
Greta Amend
Casting Director
Eisenacher Straße 85
D-10781 Berlin
phone:+49- (0)30 - 44 01 78 88
fax:+49- (0)30 - 44 01 78 89
email: info@greta-amend-casting.de
www.greta-amend-casting.de

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Liebe Frau Amend hat offensichtlich zwei Stuecke oder zwei Rollen verwechselt, denn in “Moewe” gibt es keine Mascha, sondern Nina; und Mascha ist eine von den drei Schwestern , die Tschechow so beruehmt und geliebt (auch in Deutschland) gemacht haben.
mit literarischen Gruessen,
Julia Romanova
Jlia Romanova,lesen Sie bitte Tschechow noch mal !
Ist das vielleicht der weg weg vom type cast? schauspieler zum spielen einladen statt sie um small talk termine wetteifern zu lassen!
schoene idee. danke.
Julia Thurnau
Schauspielerin