Ich war’s nicht – meine SIM-Card is schuld!

by Christian on 17. April 2010

Wie Schuldzuweisungen die Optik vernebeln können

Immer wieder erstaunlich wie einfallsreich mir Klienten und Kursteilnehmer – oft mit Vehemenz – erklären, dass sie wirklich nicht „Schuld“ sind an der Verspätung, der unerledigten Hausarbeit, der sonst wie verdaddelten Aufgaben…

Da erkläre ich Gestern dass Busfahrer, die Berlin-typisch zu früh an der Haltestelle durch gefahren oder schlicht gar nicht kommen, dass solche Busfahrer nicht für Verspätungen zum Casting verantwortlich gemacht werden können. Beziehungsweise dass sie, obwohl sie die Verursacher des Problems sind, den Casting-Delinquenten nicht von seiner Aufgabe befreien eine Lösung zu finden und zwar „in-time“.
Um heute einen Kursteilnehmer vor mir sitzen zu haben, der mir seine nicht erledigten Aufgaben damit erklärt, dass er dafür hätte jemanden anrufen müssen, genau diese Nummer aber leider nicht auf seiner neuen SIM-Card gespeichert hatte.
Ähhhhh? Vastehe!

Der Busfahrer vom Vortag war als Alibi noch mit viel Gelächter quittiert worden und heute werde ich aus blauen Augen angeschaut und mir wird heftig die Ausweglosigkeit einer neuen SIM-Card erklärt. Der Busfahrer kann also nicht beschuldig werden, die SIM-Card aber schon?

Spannend, wie tief in uns allen der Mechanismus steckt, Verantwortung aus dem Weg zu gehen.
Bei Anderen können wir diesen „Trick“ meist sehr gut erkennen, nur bei uns selber ist der Blick darauf meist etwas getrübt…

Nicht, dass ich selber davor gefeit bin. Leider gar nicht!!!!
Immer wieder ertappe ich mich zum Beispiel dabei genau zu wissen, warum ich mir hier oder da gar keine Vorwürfe zu machen brauche.

Klar habe ich die Akquise für den nächsten Kurs schleifen lassen, aber ich weiß auch grad nicht wohin vor Arbeit und die Familie braucht auch meine Zeit und irgendwann muss ich mich schließlich auch mal kurz hinlegen dürfen… Oder? Natürlich darf ich mich ausruhen! Ich muss es eventuell sogar. Nur sollten dann jetzt die Anmeldungen für den kommenden Kurs schleppend laufen, ist auf jeden Fall jedes Gejammer darüber „dass ich das ja nicht schaffen konnte, weil…“ fehl am Platz!

Meine Familie oder gar die viele Arbeit sind beides nix worüber ich mich wirklich beschweren will. Beides ist toll!
Und klar muss ich ab und an auch mal durchatmen dürfen, die Beine hochlegen.
Nur das Jammern, dass hilf nicht weiter! Im Gegenteil, es macht aus mir Eine die nicht anders konnte, weil sie ja so viel arbeitet und auch die Familie am Hals hat und vor allem wirklich zu bemitleiden ist.

Mitleid, statt Erfolg? Bähhhh!
Besser wäre, ich würde akzeptieren wo meine Aktionsgrenzen sind und auf Grund dieser Erkenntnis endlich besser planen!
Dann bin ich letztlich sogar verantwortlich dafür, dass ich einen rappelvollen Kurs habe!
Und man, an meinen Erfolgen bin ich wirklich sehr gerne selber schuld!

Der Teilnehmer mit der neunen SIM-Card hat übrigens keine 10 Sekunden gebraucht, um grinsend selber zu bemerken dass SIM-Cards und Busfahrer äußerst schlechte Alibis sind…

Es ist also absolut möglich den Mitleidsmechanismus in unseren Hirnen schnell auszuschalten. Es braucht einzig unsere ständige Aufmerksamkeit und die Lust darauf für unsere Erfolge verantwortlich sein zu wollen.

In dem Sinne wünsche ich eine tolle Woche,

Anna Momber-Heers

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